11.06.2010 - Südafrika

HALFTIME!

HALFTIME! ist ein Blog mit Beiträgen von Einsatzkräften und Mitarbeitern der internationalen humanitären medizinischen Hilfsorganisation MSF während der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft von 7. Juni bis 14. Juli 2010 in Südafrika. HALFTIME! bietet Lesern und Leserinnen in aller Welt den etwas anderen Blick auf die erste FIFA Weltmeisterschaft auf afrikanischem Boden. Er bringt durchaus positive Geschichten über den Kampf der Menschen im südlichen Afrika gegen die oft gemeinsam auftretenden Epidemien HIV/Aids und Tuberkulose an die Weltöffentlichkeit.
Extra-Time - Footblog
Une équipe de foot de femmes séropositives à Epworth, l'une des villes les plus pauvres du Zimbabwe.

«Alles, was ich über Moral und menschliche Verpflichtungen weiss, verdanke ich dem Fussball.» - Albert Camus, französischer Philosoph und Gewinner des Literatur-Nobelpreises

In nur vier Tagen beginnt mit einem Anpfiff und dem Tritt gegen einen Fussball ein Monat, in dem die Augen der ganzen Welt auf Südafrika gerichtet sein werden.

In den kommenden Wochen werden Milliarden von Menschen das Spektakel rund um die mit Spannung erwarteten FIFA Weltmeisterschaften 2010 verfolgen, die zum ersten Mal in ihrer 80jährigen Geschichte in Afrika stattfinden.

Die mehr als 300 Millionen Fernsehzuschauer weltweit werden gespannt verfolgen, was auf den zehn Fussballfeldern in Südafrika vor sich geht und den Siegerteams zujubeln.

MSF und andere Organisationen wollen der Welt jedoch das Gesamtbild zeigen: Während die vereinende Kraft des Fussballs gefeiert wird, sterben im Afrika südlich der Sahara noch immer jedes Jahr 1,4 Millionen Menschen an HIV/Aids. Die Mehrheit dieser Todesfälle könnte durch einen verbesserten Zugang zu anti-retroviraler Therapie und durch das Recht auf Behandlung verhindert werden.

MSF möchte die Welt daran erinnern, dass die HIV/Aids Krise nicht vorbei ist.

MSF Teams sind in mehreren Ländern des südlichen Afrikas tätig und leisten Unterstützung, Behandlung und Vorsorge in zahlreichen Gemeinschaften, die von HIV/Aids und der tödlichen Ko-Infektion mit Tuberkulose betroffen sind.

In den folgenden sechs Wochen wird dieser Blog Menschen, die von HIV/Aids betroffen sind, MSF-Ärzten und -Ärztinnen, Pflegepersonal und Fussballfans die Möglichkeit geben, über diese andere Seite der afrikanischen Realität zu sprechen.

In den vergangenen zehn Jahren gab es bemerkenswerte Erfolge im Kampf gegen HIV/Aids. Durch den verbesserten Zugang zu Behandlung und Pflege konnten die Leben von Millionen von Betroffenen in Entwicklungsländern gerettet werden.  Mehr als vier Millionen Menschen aus solchen Ländern haben nun Zugang zu den lebensrettenden anti-retroviralen Medikamenten – das ist eine unglaubliche medizinische Leistung. Doch diese Anstrengungen sind noch nicht genug: Weitere 9,5 Millionen Menschen, die dringend Behandlung benötigen,  stehen noch immer auf der Warteliste.

Ein Rückgang bei der Finanzierung der Behandlung kommt für Millionen von HIV/Aids Betroffenen einem Todesurteil gleich. 

Diese Menschen sind in ihrem Überleben in grossem Masse abhängig von Geberländern und Institutionen wie dem US-amerikanischen PEPFAR-Programm zur Bekämpfung von HIV/Aids oder dem Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria. Erschreckenderweise macht sich jedoch unter den Geberländern der G8 ein deutlicher Trend weg von früheren Versprechungen bemerkbar, anti-retrovirale Therapien für Menschen mit HIV/Aids in den betroffenen Ländern längerfristig zu finanzieren. Heute ist das glückliche und normale Leben das Menschen mit Behandlung erwartet, für viele erneut gefährdet.

Zieht sich ein Geberland heute aus dem Kampf gegen HIV/Aids zurück, ist das wie wenn der Schiedsrichter beim Finale der Weltmeisterschaft mittendrin pfeift und das Spiel zur Halbzeit beendet. In diesem Fall gäbe es einen Aufschrei,  weltweit liefen die Menschen Sturm. Die traurige Tatsache ist, dass wenn reiche Länder und Geberinstitutionen den Finanzierungshahn für HIV langsam zudrehen – eine Aktion, die zum frühzeitigen und vermeidbaren Tod von Millionen Menschen die dringend Behandlung benötigen  führt – diese Tat kaum Reaktionen hervorruft. Das ist nicht akzeptabel!

Wir appellieren an die Welt dagegen zu protestieren, dass Menschen ums Leben kommen, weil sie sich Medikamente nicht leisten können.

Sie können Stellung für den weltweiten Zugang zu Behandlung und Vorsorge für alle von HIV/Aids Betroffenen beziehen, indem Sie diesen Blog lesen und Ihre Meinung dazu beitragen. Indem Sie das machen, helfen Sie mit, den HIV positiven Menschen in Entwicklungsländern eine Chance zu geben. Die Welt muss in diesem entscheidenden Match nach einer Spielverlängerung, nach „Extra-Time“, verlangen. Nur wenn wenn medizinische Behandlung gewährleistet ist, wenn Menschenleben gerettet und HIV/Aids besiegt wird, haben wir alle gewonnen!

Borrie La Grange
Head of Communication
MSF South Africa

Publizieren
Newsletter
Newsletter abonnieren
Immer informiert bleiben

abonnieren