17.06.2010 - Südafrika

HALFTIME! Von der Bank aufs Feld

Im Fussball haben „Les Lions Indomptables“ die Qualifikation zur Weltmeisterschaft in Südafrika geschafft und gehören damit zu den Besten der Welt. Aber im Kampf gegen HIV/Aids ist der Weg für Kamerun noch lang.
Kamerun 2010
Kamerun 2010
© MSF
Kamerun 2010
Kamerun 2010
© MSF
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Im Januar bin ich nach Kamerun gereist, um einen Gesundheitserziehungsfilm zu drehen. Im Mittelpunkt des Films stand Sylvestre, ein Patient, der andere Betroffene dazu motiviert sich behandeln zu lassen. Sylvestre ist ein sanftmütiger Mann in den 30ern, der im Krankenhaus von Akonolinga, einer Stadt im Osten Kameruns, Herr über das Fernsehset ist – besonders, wenn Fussball am Programm steht. Während meines Aufenthalts war er somit ein sehr wichtiger Mann, da die Nationalmannschaft von Kamerun am Africa Cup of Nations in Angola teilnahm.

Vor der von MSF erbauten Krankenstation drängten sich 50 Patienten, die an der seltenen Hautkrankheit Buruli Ulkus leiden, um Sylvestres Fernseher und verfolgten gebannt Kameruns Einsatz beim Afrika Cup. Bei jedem Torschuss gab es viel Geschrei und Tumult, doch die Hoffnung und der Einsatz der Fans wurde nicht belohnt. Kamerun verlor das Spiel.

Sylvestre ist ein leidenschaftlicher Fussballfan und liebt es von seinem Helden, Roger Milla, der einst zum besten Spieler Afrikas gewählt wurde, zu erzählen. Es scheint so, als ob jedes Jahrzehnt für Kamerun eine große Herausforderung, aber auch einen möglichen Sieg bringt. Bei der FIFA Fussball Weltmeisterschaft 1990 überraschte die Nationalmannschaft die gesamte Fussballwelt, als der damals 38 jährige Milla vier grossartige Tore schoss und Kamerun damit einen Platz im Viertelfinale sicherte. Niemals zuvor hatte ein afrikanisches Team einen so großen Erfolg bei einer Weltmeisterschaft geschafft. Vor der tollen Leistung von Milla und seinem Team in diesem Jahr nahmen Skeptiker afrikanische Mannschaften als WM Teilnehmer nicht ernst. „Keine Disziplin“, meinten manche. „Keine Ausdauer“, sagten andere.

Zehn Jahre später sah sich Kamerun mit einer viel grösseren Herausforderung konfrontiert, einer Herausforderung mit geringen Erfolgschancen. Hier konnte MSF einen Beitrag leisten. Im Jahr 2000 startete MSF das erste Programm zur Behandlung von HIV in Kameruns Hauptstadt Yaounde und zeigte, was möglich ist: diese ersten Patienten waren überglücklich über ihre Chance zu leben und widmeten sich mit Entschlossenheit ihrer Behandlung.

Es gab wieder Skeptiker, die meinten, dass Afrika kein Geld und keine medizinischen Einrichtungen habe und dachten, dass Afrikanische Patienten nicht genug Disziplin aufbrächten, um die Therapie einzuhalten.
Heute, 2010, sind die „Lions Indomptables“ („die unbezähmbaren Löwen“) und die Betroffenen von HIV/Aids in Kamerun mit neuen Herausforderungen konfrontiert, sowohl am Fussballfeld als auch in den Kliniken.

Im Fussball haben „Les Lions Indomptables“ die Qualifikation zur Weltmeisterschaft in Südafrika geschafft und gehören damit zu den Besten der Welt. Aber im Kampf gegen HIV/Aids ist der Weg für Kamerun noch lange. Im Moment erhält nur die Hälfte derjenigen, die antiretrovirale Medikamente bräuchten, die lebensrettende Therapie. Um es in einer Fußball Metapher auszudrücken: es gibt 11 Spieler auf dem Platz, die HIV mit antiretroviralen Medikamenten bekämpfen, aber noch 11 weitere auf der Bank, die verzweifelt auf Behandlung warten.

Dann entwickelt jedoch einer der 11 Spieler am Platz Resistenzen gegen die Medikamente und ist mit der alten Barriere konfrontiert, dass Medikamente der 2. Behandlungslinie zu teuer und zu komplex zu verabreichen sind. Wieder setzt sich MSF gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium dafür ein, nicht nur die Behandlung zu liefern, sondern abermals zu beweisen, dass diese Therapie funktioniert.

So wie Kameruns Fussballfans sich darauf vorbereiten, ihr Team anzufeuern, so werden sich wieder viele Patienten in Akonolinga vor Sylvestres Fernseher versammeln. Und mit dem gemeinschaftlichen Jubel werden die Unbezähmbaren Löwen stürmen, für den Stolz und die Hoffnung ihres Landes und für die Menschen, die mit HIV/Aids leben.

Marcell Nimfuehr ist Communications Advisor für die Projekte von MSF in Kamerun.

Stichworte
HIV/Aids, Südafrika
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