01.12.2006 - Sudan

Die Lösung eines uralten Rätsels

Zuerst will ich euch von den Lebensumständen hier in unserer Unterkunft, unserem Compound, erzählen - damit meine Mutter auch gehörig schockiert sein kann:
Habila, Sudan, 2006
Habila, Sudan, 2006
© MSF
Habila, Soudan, 2006
Habila, Soudan, 2006
© MSF
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Wo ist das?
Sundan
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Nach nur einem Tag im echten MSF-Einsatz muss ich sagen, dass ich grosse Hochachtung vor dieser Organisation habe. Verglichen mit unserem Compound hier nehmen sich die Lebensbedingungen auf den Philippinen und in Afghanistan wie ein 5-Sterne-Hotel aus. Als 'Toiletten' benutzen wir ein Loch im Boden. Es gibt keine Fensterscheiben, die uns gegen die heftigen Sandstürme schützen würden, und so habe ich Sand in jeder Ritze und Falte. 4 reguläre ausländische Mitarbeiter leben im Compound, daher gibt es 4 Messer. Ventilatoren gibt es NICHT. Nicht einen einzigen! Heute am Mittagstisch, während ich versuche, nicht an Hitzschlag zu sterben, frage ich, warum sie keine Ventilatoren haben. Andreas, der Verwalter, sagt: "Wir haben einen Logistiker, der sehr genau darauf achtet, dass die Spendengelder nicht ungerechtfertigt ausgegeben werden". Darauf ich: "Und Überleben ist keine ausreichende Rechtfertigung?"
Offensichtlich nicht. Wenn sich der Gebrauch eines Ventilators im Sudan nicht rechtfertigen lässt, dann lässt er sich nirgendwo rechtfertigen. Die Hitze ist erbarmungslos.

Ein paar weitere Einzelheiten: Die Milch kommt hier wirklich von den Kühen :-). Eine ortsansässige Frau melkt jeden Morgen ihre Kuh und kommt dann und verkauft uns die Milch. Wir kochen sie ab, um die unvermeidlichen Parasiten alle zu töten, wir seihen sie durch und trinken sie.

Und das Wasser?

Das Wasser kommt von den Eseln. Jeden Morgen bringt ein Junge auf dem Rücken eines Esels einen grossen Gummisack voller Wasser hierher (so wie sich jeder hier sein Wasser besorgt, der sich einen Esel leisten kann), und leert ihn in unsere Wasserbehälter. Einen Teil davon kochen wir ab und filtern ihn. Den Rest nehmen wir zum Duschen, Abwaschen etc.

Manche unserer Böden sind aus Zement, manche aus Sand. Jeder ausser mir schläft in seinem eigenen kleinen 'tukul' (Hütte) im Hof. Ich habe meines abgelehnt zugunsten eines Raums neben dem Büro mit gestrichenen Wänden, wo ich eine Meile weit alles sehen kann, was sich nähert (ja, ich meine Spinnen). Obwohl unsere "Fenster" mehrheitlich abgeschirmt sind, sind überall eine Unmenge von Insekten aktiv, was besonders am Esstisch sehr spassig ist.

Im Dorf gibt es Scharen von Hühnern, aber Eier gibt es fast nicht (woraus Andi den Schluss zog, dass wir endlich die Antwort gefunden haben auf die uralte Debatte darüber, wer zuerst da war).

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