10.04.2009 - Somalia

Donna in Dagahaley - 10. April 2009

Donna Canali hat drei Monate als Projektkoordinatorin für MSF im Flüchtlingslager Dagahaley in der Nähe der Stadt Dadaab im Norden Kenias gearbeitet. 270'000 Menschen, die vor den Kämpfen in Somalia geflohen sind, leben dort. Aber auch im Lager haben sie weder ausreichend Nahrung und Wasser noch angemessene Unterkünfte, so dass viele Flüchtlinge überlegen, nach Somalia zurückzukehren. In ihren Briefen beschreibt Donna ihre Arbeit als humanitäre Helferin im Lager in Dadaab.
Dagahaley, Somalia, 05.05.2009
Dagahaley, Somalia, 05.05.2009

Der Himmel ist offen

Es hat endlich geregnet – zweimal in einer Woche – heute haben wir einen Mix aus Sonne und Regen. Dem ersten Schauer ging ein heftiger Wind voraus, der den Sand wild aufgewirbelt und die Atmosphäre mit einem leicht braunen Vorhang versehen hat, so dass wir kaum noch etwas sehen konnten. Sogar die Sicherheitslampen waren kaum noch zu sehen. Der Donner toste und als der Sand sich ein wenig gelegt hat, haben die Blitze eine bedrohliche Kulisse auf die Kinder geworfen, die mit ihren Kannen durch den Wüstensand gehastet sind, um Wasser aus dem benachbarten Dorf zu holen. Dann brach die Sintflut herein. Die Plastikplanen unserer Zelte wurden beiseite gefegt, Tische und Stühle umgeweht und das gesamte Gelände hat sich in eine Wasserlache verwandelt. Wir haben uns über die Regentropfen auf unserer Haut gefreut und sind vorsichtig durch die Pfützen gehüpft, auf Schlangen achtend. 

Die weniger stabilen Hütten in unserem Lager sind zusammengebrochen bzw. haben grosse Löcher bekommen, so dass der sowieso schon dreckige Boden auch noch matschig wurde. Viele haben sich auf den Bodenmatten zusammengekauert, um sich vor dem heftigen Wind und Regen zu schützen. Auch die sogenannten „Flutgebiete“ waren natürlich überflutet. Eigentlich sollten da keine Hütten stehen. Aber es leben auch Familien in diesen Gebieten, da es anderswo nicht genug Raum gibt. 

Vor drei Tagen hat der zweite grosse Regen eingesetzt. Als ich von einem Sicherheitstreffen in Dadaab 30 Minuten vom Lager Dagahaley entfernt zurückgegangen bin, haben fröhliche Kinder im Fluss gespielt, der jetzt die Strasse ersetzt. Sie haben mich zu sich gewunken, damit ich Fotos mache. 

Der Regen bildet viele Wasserlöcher für die Tiere. Das beseitigt vorübergehend das Wasserproblem, da die Menschen sich nicht „gezwungen“ sehen, Rohre zu brechen, um ihre Tiere zu tränken. Aber es hilft nicht, dass grundlegende Wasserproblem im Lager zu beseitigen. Es werden mehr Bohrlöcher benötigt, um einen angemessenen Wasservorrat zu gewährleisten. Die bereits verfallende Infrastruktur, die voller Löcher und Risse ist, muss ersetzt werden. Gäbe es für alle genug Wasser, würde wahrscheinlich auch die Korruption an den Wasserstellen aufhören. 

Ich habe der Fledermaus, die über meinem Waschbecken hängt, einen Namen gegeben. Sie heisst Stella. Sie wackelt mit ihren dünnen Ohren, wenn ich zu ihr spreche. Und da wir gerade von wilden Tieren sprechen: Letzte Woche habe ich einen Fuchs und ein Straussenpaar gesehen. Ausserdem habe ich eine giftige Kamelspinne aus meinem Zelt gejagt. Zwei Menschen auf dem Gelände wurden von Skorpionen gebissen. Ein Igel hat den Weg in unser Büro gefunden und eine grosse Mungo-Familie streift um unsere Zelte herum. Einen Löwen habe ich noch immer nicht gesehen, bin aber noch voller Hoffnung. 

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