01.04.2009 - Somalia

Donna in Dagahaley - 1. April 2009

Donna Canali hat drei Monate als Projektkoordinatorin für MSF im Flüchtlingslager Dagahaley in der Nähe der Stadt Dadaab im Norden Kenias gearbeitet. 270'000 Menschen, die vor den Kämpfen in Somalia geflohen sind, leben dort. Aber auch im Lager haben sie weder ausreichend Nahrung und Wasser noch angemessene Unterkünfte, so dass viele Flüchtlinge überlegen, nach Somalia zurückzukehren. In ihren Briefen beschreibt Donna ihre Arbeit als humanitäre Helferin im Lager in Dadaab.
Dagahaley, Somalia, 05.05.2009
Dagahaley, Somalia, 05.05.2009

Strassensperren, Steinwürfe und ein totes Huhn 

Unser Auto wurde diese Woche dreimal auf der Strasse blockiert und mit Steinen beworfen. Der erste Angriff galt gezielt MSF: Sie haben einen unserer Fahrer beschuldigt, ein Huhn überfahren zu haben! Die Situation war recht speziell als Abu, mein Liaisonmitarbeiter, mit seiner feinen Stimme die Menschen aufgefordert hat, die dornigen Zweige von der Strasse zu sammeln, die sogar für Landcruiser problematisch sind. Glücklicherweise wurden die Beteiligten nur durchgerüttelt und nicht verletzt. (Okay, ich hatte einen Dorn im Finger und es hat höllisch weh getan). Die Jungs, die die Steine geworfen haben, hatten sich angeblich bei MSF beworben, aber keinen Job bekommen. 

Die zweite Strassensperre galt einer humanitären Organisation, die für die Wasserversorgung im Lager zuständig ist. Wir waren zur gleichen Zeit auf der gleichen Strasse. Der dritte Vorfall ereignete sich, weil Kinder während der Schulferien nichts zu tun hatten und einfach nach aufregender Ablenkung gesucht haben. 

Und das Huhn? Unser Fahrer hat zwar bestätigt, dass er es nicht überfahren hat. Doch irgendwer muss es ja getan haben und wir boten schliesslich an, es zu bezahlen. Anfangs wurde ein unverschämt hoher Preis aufgerufen, später sagte die Familie dann, dass sie von MSF kein Geld nehmen wolle. Dafür haben wir versprochen, andere NGOs darauf hinzuweisen, nicht mehr so zu rasen und speziell in der Nähe von Schulen vom Gas zu gehen. Die Flüchtlinge haben uns ihren Respekt und ihre Dankbarkeit bekundet und versprochen, nichts zu tun, was die Arbeit von MSF behindern könnte. Und ich bin sicher, dass sie es auch so meinen. Schliesslich haben sie es auch nach jedem Steinwurf gesagt. 

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