30.03.2011 - Kenia

Comics aus Kenia - 27. Februar, Dagahaley

Dagahaley/Dadaab, Kenia, 27.02.2011
Dagahaley/Dadaab, Kenia, 27.02.2011

Abu, kenianischer MSF-Mitarbeiter, Vizechef des Compounds, Reiseführer, Vermittler, Aufseher über und Auskunftsperson für neuangekommene und alteingesessene Flüchtlinge, Kinderfreund, Chronist, Pressesprecher, Fotomodell und Mediator in einer Person, fährt mit uns erst zu Abdi, dem Bürgermeister, dann zu Zainab, der Bürgermeisterin des Lagers. Beide, sowohl Chairman als auch Chairlady, gewählt von der Bevölkerung des Lagers, sind eindrückliche Figuren, die sich ihrer Autorität durchaus bewusst sind. Und beide sind auch geschäftlich erfolgreich, wie die Ausmasse ihrer sehr gepflegten Compounds beweisen. Die Interviews mit ihnen ziehen sich in die Länge, man merkt, dass sie sich gewohnt sind, in druckreifen Sätzen zu sprechen und mit dem weltweit identischen Vokabular aller Politiker zu jonglieren.

Nicht weniger interessant ist es, unser Faktotum Abu zu interviewen. Er hat einige Jahre als Krankenpfleger in einem kleinen Ort an der Grenze zu Somalia gearbeitet, unter erbärmlichsten Bedingungen, täglich seien angeschossene Soldaten und Zivilisten eingeliefert worden, die er und der eine Arzt zusammen mit zwei Pflegerinnen versorgen mussten. „It was a nightmare“, sagt er, noch einiges schlimmer als Dagahaley. Was ihm zur Zeit am meisten Sorgen macht, sind die neu eintreffenden Flüchtlinge. Eigentlich müsste man für sie ein neues Lager eröffnen, doch dagegen gibt es starken Widerstand seitens der kenianischen Regierung. Trotzdem reisst der Strom der Flüchtlinge nicht ab, täglich finden sich weitere Familien ein, auf der Suche nach Wasser, Essen und etwas Frieden. Das Flüchtlingslager Dagahaley, einst als Provisorium geplant, wird zu einer sich rasant ausdehnenden Grossstadt.

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