30.03.2011 - Kenia

Comics aus Kenia - 26. Februar, Dagahaley

Dagahaley/Dadaab, Kenia, 26.02.2011
Dagahaley/Dadaab, Kenia, 26.02.2011
© Andrea Caprez - Christoph Schuler
Dagahaley/Dadaab, Kenia, 26.02.2011
Dagahaley/Dadaab, Kenia, 26.02.2011
© Andrea Caprez - Christoph Schuler
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Die Psychiaterin Paula aus Brasilien hat sich bereit erklärt, uns zu einigen ihrer Patienten zu führen. Dass es in Dagahaley auch psychisch Kranke geben würde, war uns vorher nicht wirklich bewusst gewesen. Da ist der etwa vierzigjährige H., er liegt angekettet auf einer schmutzstarrenden Matratze in einem Verschlag und kaut Qat, oder Miira, wie die Droge hier genannt wird. H. behauptet, eigentlich Roberto zu heissen, sein Vater sei Italiener. Paula kommt regelmässig zu ihm und schaut, dass ein Angehöriger ihn mit Medikamenten versorgt. Ein anderer, den wir besuchen, lebt in einer Kiste, gross wie ein Haus, aber ohne Fenster; zwei weitere sitzen apathisch in einer Hütte. Eigentlich ist es erstaunlich, dass es hier nicht noch mehr Menschen mit seelischen Krankheiten gibt, bedenkt man die haarsträubenden Schicksale, die viele von ihnen durchlebten und noch immer durchleben.

All das heute Gesehene noch frisch vor Augen, fällt es uns erst nicht ganz einfach, am Abend den Geburtstag von Josiah, eines kenianischen Chirurgen zu feiern. Darf man Partys feiern, wenn man weiss, was sich ein paar wenige Kilometer entfernt abspielt?

Die Leute von MSF, die hier arbeiten, seien es Expats oder sogenannte Nationals, also Kenianer, sehen dies ganz pragmatisch. Joyce, die OP-Assistentin, sagt, hin und wieder bräuchten die Leute im Compound solche Feste, als Ventil für den täglichen Frust, als Entspannung von der aufreibenden Arbeit. Ohne solche Auszeiten könnte niemand über Monate hier tätig sein. Und so setzt sich Chris, der Leiter des Malnutrition Ward, der Abteilung für fehl- und unterernährte Kinder, an den Computer und macht den DJ, es wird getanzt, und Josiah bekommt spät nachts eine Gitarre geschenkt. Da er sie noch nicht zu spielen gelernt hat, schnappt sich Andrea das Instrument und singt ein paar Lieder, sehr zum Vergnügen der Partygäste.

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