30.03.2011 - Kenia

Comics aus Kenia - 25. Februar, Dagahaley

Dagahaley/Dadaab, Kenia, 25.02.2011
Dagahaley/Dadaab, Kenia, 25.02.2011
© Andrea Caprez - Christoph Schuler
Dagahaley/Dadaab, Kenia, 25.02.2011
Dagahaley/Dadaab, Kenia, 25.02.2011
© Andrea Caprez - Christoph Schuler
Dagahaley/Dadaab, Kenia, 25.02.2011
Dagahaley/Dadaab, Kenia, 25.02.2011
© Andrea Caprez - Christoph Schuler
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Um einen Überblick über das Flüchtlingslager zu erhalten, hat Julien, unser nimmermüder Organisator und Kommunikator, die Besteigung eines Wasserturms in die Wege geleitet. Beim Hinaufklettern wird mir ganz schön mulmig, ich bin vermutlich seit dem Kirschenpflücken im Landdienst auf keiner hohen Leiter mehr gestanden. Und diese hier will kein Ende nehmen. Dafür hat man oben einen ausgezeichneten Rundblick über das topfebene Umland und gewinnt zum ersten Mal eine Vorstellung von der immensen Ausdehnung des Flüchtlingslagers. Weit hinten kann man die Hütten und Zelte der neu angekommenen Flüchtlinge erahnen, die wir gleich besuchen werden.

Vor ein paar Tagen erst eingetroffene Flüchtlingsfamilien haben bereits eines der UNHCR-Zelte erhalten und sich aus Ästen eine Rundhütte als Küche und eventuell eine weitere als Stall für ihre zwei, drei Ziegen gebaut. Ihre Schicksale gleichen sich: Vor den unhaltbaren Zuständen in Mogadishu oder Kismaayo geflüchtet, tagelang per Lastwagen unterwegs, vielleicht nachts über die Grenze nach Kenia geschlichen und schliesslich hier gelandet. Die meisten erzählen von Angehörigen und Nachbarn, die auf der Flucht verletzt, getötet oder ausgeraubt wurden.

Wer erst jetzt hierher kommt, hat die Härten des Lebens in Somalia sehr lange ausgehalten, hat jahrelang in mehr oder weniger beschädigten Häusern an Orten gelebt, in denen das Recht des Stärkeren, des besser Bewaffneten gilt. Manchmal sind es aber auch Bauern oder Nomaden aus ländlichen Gebieten, die als Folge der anhaltenden Dürre so zermürbt sind, dass sie keinen anderen Ausweg mehr sehen als die Flucht nach Kenia. Aber, sagt ein Mann, der sich zu unserer Gruppe gesellt, es gebe immer mehr Familien in Somalia, die so arm seien, dass sie weder die paar Säcke mit Zwiebeln, die als Währung und Verpflegung dienen, noch das bisschen Benzingeld für die Mitfahrt in einem Lastwagen aufbringen könnten. 

Kaum hat man mit jemandem ein Gespräch begonnen, gesellen sich weitere Flüchtlinge dazu, erst kommen zwei, drei Erwachsene, dann zwanzig, dreissig Kinder und Halbwüchsige, neugierig, interessiert. Irritiert von der Tatsache, dass wir keine Ärzte sind, fragen sie nach Sinn und Zweck unserer Arbeit – was soll es ihnen nützen, dass wir hier in der Steppe herumstehen und unsere Notizbücher vollkritzeln? Ich bin froh um des Zeichners anschauliches Handwerk, das die Aufmerksamkeit der Leute auf sich zieht, vor allem wenn er einen der Umstehenden mit schnellem Strich porträtiert, was stets Heiterkeitsausbrüche zur Folge hat.

Einige der Teenager können sich erstaunlich gut mit uns verständigen, so sagt mir ein fünfzehnjähriger Junge auf Englisch, die Wasserknappheit im Lager bedeute auch, dass man sich und seine Kleider nur selten waschen könne, was ihm sehr unangenehm sei. Für ihn sei Sauberkeit nicht weniger wichtig als Essen und Trinken.

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