14.01.2011 - Haiti

Cholera in Haiti - Cholera in den Bergen

Florian Teutsch ist in Haiti als Logistiker im Einsatz. In einem Blog berichtet er regelmässig über seine Erlebnisse.
Untersuchung eines Kindes
Untersuchung eines Kindes
© Aurelie Baumel / MSF
Chlorination von Wasser
Chlorination von Wasser
© Aurelie Baumel / MSF
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Der Autor / Die Autorin
Florian Teutsch

Florian Teutsch bloggt von seinem Einsatz als Logistiker in Haiti, das derzeit von einer Cholera-Epidemie erschüttert wird

Slideshow
Cholera in Haiti, November/Dezember 2010
Haiti: Im Cholera-Behandlungszentrum von MSF in Cap Haïtien
06.12.2010
13 Bilder

In meinem letzten Beitrag habe ich beschrieben, wie es ist, wenn die Cholera sich unkontrolliert über ein grosses Gebiet ausbreitet. Jetzt hat die Epidemie auch die Berge erreicht. Nachdem ich vor ein paar Tagen schon ein Team dorthin geschickt hatte, um die Wasserstellen zu chlorinieren, habe ich beschlossen, die Gegend aufgrund einiger Schwierigkeiten selbst zu besuchen. Normalerweise bleibt mir kaum Zeit dazu, da ich mich um die kleineren Choleraeinheiten und die Ausgabestellen kümmern muss.

Vor Ort haben wir zuerst nochmals alle Wasserstellen besucht und  die GPS-Koordinaten aufgenommen, um diese in eine Karte bei Google-Earth einzutragen. Fünf Wasserstellen bestanden aus gut gebauten, relativ neuen Handpumpen, inklusive Chlorierung durch unsere Mitarbeiter. Die letzte war jedoch ein offenes Wasserloch in einem sehr engen Tal, direkt unterhalb der Latrinen. Der erste Gedanke war, die Wasserstelle zu schliessen, doch das hätte schlichtweg nicht funktioniert. Wir errichteten also eine grosse Absperrung rund um das Wasserloch, damit zumindest keine Tiere dort ihr Geschäft verrichten, und damit sich die Leute bewusst sind, wenn sie die Trinkwasserquelle „betreten“. Zusätzlich werden wir noch ein paar Anpassungen an den Latrinen vornehmen und eine erneute Infokampagne starten.

Während unserer Arbeit vor Ort hörten wir von einem neuen Cholerafall. Wie immer schickten wir den Verantwortlichen der nächsten Ausgabestelle voraus, um die Lage zu evaluieren. Als er zurückkam, teilte er uns mit, dass der Patient bereits einen „traditionellen Heiler“ konsultiert hatte, der ihm versicherte, es sei keine Cholera. Deswegen machten wir uns sofort auf den Weg dorthin: zuerst eine halbe Stunde mit dem Auto durchs Flussbett, danach noch eine halbe Stunde zu Fuss den Berg hinauf. Wir fanden den Patienten und konnten ihn überreden, direkt ins Cholerazentrum zu fahren. Währenddessen erfuhren wir schon vom nächsten Cholerafall, und los ging die nächste Reise, immer auf der Suche nach der Ursache, der Quelle der Epidemie. Ich vermute, dass sich diese Patienten in den Bergen woanders angesteckt haben, zum Beispiel beim letzten Marktbesuch. Es ist wichtig, die Patienten wegzubringen, einerseits zu ihrem Wohl, aber auch um sie vom Rest der Bevölkerung zu isolieren und eine weitere Verbreitung der Krankheit zu verhindern. Deshalb wird auch das Haus des Patienten so gut es geht mit hochkonzentrierter Chlorlösung desinfiziert.

Wie man sieht, braucht man für die Abwicklung eines Falles ziemlich viel Zeit, und die wird langsam knapp. Besonders wenn man bedenkt, dass sich die Cholera in den ländlichen, schwer zugänglichen Gegenden weiter ausbreitet. Die gute Nachricht: wir haben hier keinen bemerkenswerten Anstieg an Patienten zu verzeichnen, was uns motiviert, unsere Anstrengungen zu intensivieren. Denn wir verzeichnen bereits erste Erfolge in den Regionen, in denen wir aktiv sind.

In diesem Sinne wünsche ich euch ein paar schöne Tage in der Kälte, ich bleibe einstweilen in Sonne und Hitze.

Florian Teutsch, MSF-Logistiker in Haiti

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