01.08.2009 - DR Kongo

Masernimpfungen

Christine Haller, Krankenschwester aus Basel, war im Sommer und Herbst 2009 auf Einsatz in der Demokratischen Republik Kongo.
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© Christian Wyss
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Wir waren hier damit beschäftigt, die Masern-Impfaktion vorzubereiten und ich war lange mit Patrice im Geländewagen unterwegs zu den relais communautaires – Krankenschwestern und Mitglieder der Gemeinschaft – um sie über die Impfaktion zu informieren, mit ihnen in Kontakt zu treten und bereits existierenden Einrichtungen Unterstützung zu bringen, und überraschenderweise gibt es viele davon. Wenn es den Krieg nicht gäbe, wäre dies eine wirklich funktionsfähige Stadt…

Ich beginne, mich hier wirklich wohlzufühlen: Es gibt viel zu lernen und vieles, was wir gemeinsam tun können. Patrice ist ein Krankenpfleger von hier. Er ist in dieser Stadt geboren und aufgewachsen und ein grossartiger Kontakt für mich. Welten treffen aufeinander und genau das gefällt mir jeweils – der Austausch. Wir besuchen unsere Kliniken und arbeiten gut als Team zusammen.
Dungu ist ein Gemisch von Dörfern, eine Ansammlung runder Strohhütten, hübsch verteilt in einer grünen Landschaft, manche weit voneinander entfernt, manche nah beieinander. Das Stadtzentrum ist okay, zu den Vororten hin aber ist die Armut schon fast unwirklich. Die Natur --Bäume, freies Feld und Dschungelstrassen -- ist schlicht wunderschön.

Letzthin hielten wir mit dem Wagen just vor einem kleinen Jungen, der am Rande der Strasse im Wald lag, vor ihm eine grosse, tote Ratte auf einem Stock. Anscheinend sehr zufrieden wartete er auf einen Kunden, der vorbeikommen und sie ihm abkaufen würde. Die hässliche Ratte und dieser schöne Junge, der dort lag und wartete! Ich habe ein Foto gemacht und verliess den Ort mit einem Lächeln. Vielleicht wird genau dieses Bild meine schönste Erinnerung an den Kongo sein…

Und ich werde mich an die Gespräche mit Vater Sergio in seinem Kloster bei einer Tasse süssen, schwarzen Kaffees erinnern. Ein Kleriker, dem meine Liebe und mein Respekt gelten für seine Liebe zu seinem Volk und den Kindern: „Sieh, wie dieses Mädchen ihren Bruder trägt,“ sagte er mir einmal, „sieh, wie schwer er ist, aber das ist egal, es ist ihr Bruder und sie hält ihn dicht bei sich, nah am Körper… Es gibt viele Dinge, die uns Westlern entgehen… selbst mir, der ich so viele Jahre hier verbracht habe.“ Ich liebe ihn wegen dieser Kommentare, weil er mich dazu bringt, innezuhalten und nachzudenken, ein Kind anzusehen und mich an es zu erinnern, danach zu fragen, wo es herkommt, ob es Waise ist, zur Schule geht, zu Essen hat… Unsere Gespräche sind immer voller Ironie und gespickt mit warmen Lächeln. Es gibt so viel zu erfahren und zu lernen und mein Aufenthalt wird viel zu kurz sein, um das alles zu begreifen. Und doch bin ich sehr dankbar, dass es mir mein Beruf ermöglicht, hier zu sein.
Die Spannungen haben sich weiter in den Norden verlagert, nicht weit von uns, aber es scheint nicht zu schlimm zu sein. Wir versuchen, wenn möglich, die Verletzten per Flugzeug in unser Krankenhaus in Dungu zu bringen. Offiziell ist die LRA am Ende; dennoch leiden die Leute weiterhin unter ihren unvorhersehbaren Angriffen.

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