02.12.2010 - DR Kongo

In Dingila breitet sich die Schlafkrankheit aus (1. Teil)

Gewisse Stimmen behaupten, auf dem afrikanischen Kontinent sei die Schlafkrankheit ausgerottet. Im Bezirk Bas-Uélé in der Provinz Orientale der Demokratischen Republik Kongo hat ein Team von MSF jedoch in zwei Monaten 216 Personen aufgespürt, die infiziert sind. Besonders betroffen ist der Ort Dingila am Rande des Bezirks Ango, der von der Baumwollproduktion lebt. Hier die Geschichte von Jean-Dedieu und wie er sich auf Schlafkrankheit hat testen lassen.
DRK November 2010
François Midahene entnimmt einem kleinen Kind eine Blutprobe, dessen CATT-Ergebnis positiv war. Die Blutentnahme wird zuerst zentrifugiert und anschliessend mikroskopis...
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Claude Mahoudeau arbeitet in der Kommunikationsabteilung von MSF Schweiz.

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DR Kongo: In Dingila breitet sich die Schlafkrankheit aus
02.12.2010
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So hatte sich Jean-Dedieu M., ein junger Lehrer an einer Sekundarschule in Ganga, 37 km südlich von Dingila, diesen Novembertag sicher nicht vorgestellt: Er erfreute sich bester Gesundheit und wenn er nicht unterwegs gewesen wäre um zwei Arbeitskollegen im Spital zu besuchen hätte er wohl noch lange Zeit keinen Fuss in eine Klinik gesetzt.

Der neugierige Jean-Dedieu näherte sich jedoch einer Gruppe von Menschen, die unter einem Mangobaum am Plaudern waren – und schon war er für den Rest des Tages mit medizinischen Untersuchungen beschäftigt. „Sie informierten mich über die Schlafkrankheit“, erklärt er mir, während er sich für seine erste Untersuchung eine Blutprobe entnehmen lässt. „Man weiss ja nie.“

Seit dem 20. September wurden in diesem Spital fast 10’000 Personen auf Trypanosomen-Parasiten untersucht. In der ersten Projektphase wird die Früherkennung nur bei Personen durchgeführt, die sich freiwillig ins Spital begeben“, berichtet Josué Amici, medizinischer Leiter des Projekts. Bisher hat MSF auf diese Weise bereits über 160 Fälle von Afrikanischer Trypanosomiasis – wie die wissenschaftliche Bezeichnung der Schlafkrankheit lautet – diagnostiziert. „Das ist eine hohe Zahl“, erklärt François Chappuis, der Spezialist für Trypanosomiasis bei MSF in Genf. Er weist darauf hin, dass die Krankheit tödlich verläuft, wenn sie nicht behandelt wird.

Jean-Dedieu verlässt den Saal, der für die Erstuntersuchung mit dem CATT-Test (was für "card agglutination test for trypanosomiasis" steht) eingerichtet ist. Mittels einer Agglutinationstechnik ermöglicht es dieser Test, Parasiten im Blut festzustellen. Nun folgt das zweite Stadium der Früherkennung. Dies bedeutet, dass schon ein erster Verdacht vorliegt. Jean-Pierre Kango, der für die Aufklärung vor Ort verantwortlich ist, stösst zu uns. „Die Aufklärungskampagne für die Bevölkerung hat lange vor dem 20. September begonnen. Dies erklärt auch den erfolgreichen Start des Projekts“, teilt er uns mit. „Ausserdem wurden wir vom Gebietsverwalter stark unterstützt. Das ist nicht verwunderlich, denn MSF hat ihm in Bili mal das Leben gerettet.“

Bili, ein weiter nördlich gelegener Baumwollort in Bas-Uélé, war der Standort des vorhergehenden Trypanosomiasis-Projekts, das MSF in der Provinz Orientale durchführte. Im März 2009 musste dieses allerdings wegen eines Angriffs und einer Plünderung im MSF-Behandlungszentrum im weiter östlich gelegenen Banda eingestellt werden. Die bewaffnete Gruppe konnte bis heute nicht identifiziert werden. Caroline Madamu, die inzwischen als Pflegefachfrau in Bili arbeitet, befand sich zum Zeitpunkt des Geschehens in Banda. Sie erinnert sich: „Es war sehr schmerzhaft, die Kranken zurücklassen zu müssen. Zum Glück haben es viele Leute trotzdem geschafft, hierher zu flüchten.“ Viele seien der Ansicht, genau diese Personen hätten den Erreger der Schlafkrankheit in die Region verschleppt.

Wie auch im benachbarten Haut-Uélé leidet die kongolesische Bevölkerung hier seit über zwei Jahren unter Angriffen, die den Rebellen der Lord’s Resistance Army (LRA) zugeschrieben werden. Diese Tatsache steht vermutlich in einem engen Zusammenhang mit der Ausbreitung der Krankheit Richtung Süden.

MSF leitet  zurzeit zwei Trypanosomiasis-Projekte in der Provinz Orientale in der Demokratischen Republik Kongo. In Dingila, dem ersten Projekt, scheint die Anzahl infizierter Personen viel höher zu sein als erwartet. Das zweite Projekt in Doruma erstreckt sich inzwischen auf Gebiete, die bis anhin nicht auf die Krankheit hin überprüft wurden. Seit Anfang Jahr wurden hier 390 Fälle von Afrikanischer Trypanosomiasis registriert.

Wegen der anhaltenden Präsenz bewaffneter Gruppen sind die Einsätze von MSF stets gefährdet. Diese Unsicherheit und das äusserst schwache öffentliche Gesundheitswesen stellen die grössten Hindernisse für eine potenzielle Ausrottung der Schlafkrankheit dar.

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