15.02.2012 - DR Kongo

Im Land der Tsetse-Fliegen: Im Transit

Wenn Katzen in Moskitonetzen hängen, Wildschweine durchs Spitalareal spazieren und Termitenhügel die staubigen Wege säumen, dann könnte es sein, dass wir uns in Dingila befinden.
DR Kongo
Was ich an unserem Projekt besonders schätze, ist, dass wir mit den Kongolesen zusammenarbeiten.
Wo ist das?
DR Kongo
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Der Autor / Die Autorin
Irene Mazza

Ihr erster Einsatz mit MSF führt Irene Mazza nach Dingila, eine kleine, kaum zugängliche Stadt im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo (DRK), die von der Schlafkrankheit betroffen ist. Die gelernte Pflegefachfrau aus Biel arbeitete zunächst als Übersetzerin und Editorin am Hauptsitz von MSF Schweiz, wollte dann aber die Feldarbeit am eigenen Leib erfahren.

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Im Land der Tsetsefliegen
Im Land der Tsetsefliegen
14.02.2012
02:46

Diese kleine Stadt mitten im kongolesischen Busch kann von Uganda aus nur per Kleinflugzeug erreicht werden, da die Verbindungsstrassen entweder nicht passierbar, zu gefährlich oder schlicht und einfach inexistent sind. Die Menschen hier leben in Lehmhütten oder Backsteinhäusern, die noch aus der belgischen Kolonialzeit herrühren. Elektrizität gibt es keine und gekocht wird auf dem Feuer. Ich habe selten zuvor so viele Mango-, Papaya-, und Avocadobäume gesehen – ein kleines vegetarisches Paradies. Kaum zu glauben, dass unweit von hier immer noch Menschen entführt, vergewaltigt und getötet werden.

Die Lage in Dingila wird als relativ sicher eingestuft. Trotzdem hat die Sicherheit höchste Priorität: Jeden Tag wird die Sicherheitslage beurteilt und der Bewegungsradius entsprechend festgelegt. Unglaublich, was für eine Logistik erforderlich ist, um die Projekte von MSF mit Material, Wasser und Elektrizität zu versorgen und gleichzeitig die Kommunikation und Sicherheit zu gewährleisten. Ich bin beeindruckt.

Eine Woche ist vergangen, seit ich mein Zuhause in Winterthur verlassen habe. Nach einem zweitägigen Briefing in Genf, wo ich die letzten Informationen über mein Projekt und die aktuelle geopolitische Lage im Kongo erhielt, flog ich über Amsterdam, Ruanda und Uganda nach Bunia, der Koordinationsstelle von MSF in der Demokratischen Republik Kongo.

Ein unverkennbarer Duft lag in der Luft, als ich in Bunia aus dem Flugzeug stieg; eine Mischung aus gegrilltem Fleisch, verbranntem Plastik und feuchtem Gras. Und es war heiss. So war der Winter schnell vergessen und Mütze und Schal im tiefsten Winkel meines Rucksacks verstaut. Ob da eine Waffe drin sei, fragte mich der Zollbeamte, als er meinen Gitarrenkoffer sah. „Das ist die Waffe der Musik“, erwiderte ich und zeigte ihm meine Gitarre. Meine restlichen Gepäckstücke wollte er dann nicht mehr sehen. Im Einwanderungsbüro galt es, verschiedene Formulare auszufüllen, und so wurde ich – zum ersten Mal in meinem Leben – mit „Hautfarbe Weiss“ registriert. Ein eigenartiges Gefühl. Weiter ging’s per Kleinflugzeug in einem atemberaubenden Flug über unberührten Regenwald nach Dingila, meinem Ziel- und Einsatzort.

Der Zufall wollte es, dass zurzeit in Dingila ein Workshop über die afrikanische Schlafkrankheit stattfindet. Anwesend sind nicht nur die internationalen und kongolesischen Mitarbeiter, mit denen ich die nächsten sechs Monate zusammenarbeiten werde, sondern auch zwei Experten von MSF Schweiz, die uns mit den neusten Erkenntnissen der Forschung beliefern. Der perfekte Einstieg also. Was ich an unserem Projekt besonders schätze, ist, dass wir mit den Kongolesen zusammenarbeiten. MSF ist nicht hier, um zu missionieren, sondern um gemeinsam mit den Einheimischen Projekte zu planen, Strategien zu entwickeln und Ziele festzulegen. Ein Schwerpunkt von MSF liegt zudem darin, die nationalen Mitarbeiter zu schulen, damit die Arbeit weitergeführt werden kann, wenn wir – irgendwann – wieder gehen.

Morgen beginnt meine erste Arbeitswoche. Ich bin gespannt.

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