13.03.2012 - DR Kongo

Im Land der Tsetse-Fliegen: Café de la paix

Die ersten Sonnenstrahlen scheinen durch den Stacheldraht vor meinem Fenster. Aus einem kaputten Radio knistert ein kongolesischer Hit. Der Verkehrslärm vermischt sich mit den morgendlichen Kirchengesängen. Ich verbringe das Wochenende in Bunia, wo sich die Koordination von MSF im Kongo befindet.
Dingila, DR Kongo, 05.03.2012
Die Flugroute führt uns über Ango, Doruma und Dungu, wo wir die anderen MSF-Projekte mit logistischem und medizinischem Material beliefern.

Der Kontrast zum ländlichen Dingila könnte nicht stärker sein: die Strassen sind zum Teil asphaltiert, es gibt Banken und Tankstellen, es wird gebaut. MSF ist nicht die einzige humanitäre Organisation, die sich hier niedergelassen hat. Ein buntes Sammelsurium an internationalen Organisationen und NGOs ist in Bunia vertreten. Alle sind sie gekommen, um die Wunden des Krieges zu heilen, den Wiederaufbau voranzutreiben und den Frieden zu sichern.

Das Leben in Bunia spielt sich draussen ab. Am staubigen Strassenrand werden Kleider genäht und Möbel geflickt. Place de l’amitié, clinique pacifique – der Wunsch nach Frieden ist allgegenwärtig. Die Spuren des Krieges auch. Im Café de la paix gönne ich mir ein Stück Kuchen, einen Maracujasaft und das erste Joghurt seit sechs Wochen – köstlich! Danach bin ich gestärkt für eine kleine Shoppingtour. Im Supermarkt der UNO decke ich mich mit Shampoo und Zahnpasta für die nächsten paar Monate ein. Auch Schweizer Schokolade gibt es hier zu kaufen, für 4 Dollar die Tafel. Ich verzichte. Auf dem lokalen Markt sind die Preise um einiges billiger, doch bei „Made in China“ habe ich meine Zweifel bezüglich der Qualität.

Die Reise von Dingila nach Bunia ist spektakulär. Über 1500 Kilometer fliegen wir per Kleinflugzeug über unberührten Regenwald. Zum Teil so tief, dass man Wildtiere zwischen den Bäumen erkennen kann. Die Flugroute führt uns über Ango, Doruma und Dungu, wo wir die anderen MSF-Projekte mit logistischem und medizinischem Material beliefern. Bei jeder Landung warten neugierige Kinder am Rande der Landepiste. Sie winken uns zu und hoffen insgeheim, eines Tages auch in so einem Flugzeug mitfliegen zu können. Im Kongo gibt es über fünfzig Fluggesellschaften – und alle sind sie auf der schwarzen Liste. MSF verwendet deshalb ausschliesslich ausländische Organisationen für ihre Inlandflüge.  

Unser Notfallteam hat zurzeit alle Hände voll zu tun: im Nordosten des Landes ist die Cholera ausgebrochen. MSF hat an drei verschiedenen Standorten Cholerazentren aufgebaut, um die Epidemie einzudämmen. Ich besuche das Behandlungszentrum in Bunia. Drei riesige weisse Zelte sind durch rotes Absperrband von einander getrennt. Zwischen jeder Abteilung müssen Hände und Füsse mit hochprozentiger Chlorlösung desinfiziert werden, um die Verschleppung der Cholerabakterien zu verhindern. Im ersten Zelt liegen die Verdachtsfälle, im zweiten und dritten die Cholerapatienten. Sie liegen auf einfachen Holzliegen, die in der Mitte mit einem Loch versehen sind. Darunter steht jeweils ein Eimer. Wässriger Durchfall und Erbrechen gehören zu den Hauptsymptomen der Cholera. Die Patienten erhalten deshalb Infusionen und Trinklösungen, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Bevor ich das Zentrum verlasse, wate ich ein letztes Mal durch ein Chlorbad. 

Die Wohnhäuser von MSF in Bunia sind zurzeit voll belegt. Unser Team in Gety musste aufgrund der unsicheren Lage evakuiert werden und wartet nun darauf, dass sich die Lage stabilisiert. Auch von unserem Projekt in Dungu höre ich, dass die Kämpfe in der Umgebung immer wieder Anlass zur Sorge sind. Nur in Dingila scheint die Welt noch in Ordnung zu sein. 

Nach ein paar Tagen Stadtleben freue ich mich, wieder in mein Projekt zurückzukehren. Der Dschungel ruft. 

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