26.09.2011 - DR Kongo

Briefe aus Gety: Die Sicherheit geht über alles (I)

Myriam Schmid verbrachte acht Monate in Gety, im Osten der Demokratischen Republik Kongo (DRK). Sie war für MSF im Bereich Administration tätig. Seit zwei Jahren kommt die medizinische Organisation dort den Vertriebenen der Region zu Hilfe.
Gety, DR Kongo, 07.07.2006
Seit zwei Jahren kommt die medizinische Organisation dort den Vertriebenen der Region zu Hilfe.
Wo ist das?
DR Kongo
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Der Autor / Die Autorin
Myrima Schmid

Myriam Schmid verbrachte acht Monate in Gety, im Osten der Demokratischen Republik Kongo (DRK). Sie war für MSF im Bereich Administration tätig.

Nahezu unbeachtet von Medien und der Öffentlichkeit hat die an Nord-Kivu grenzende Provinz Ituri einen Konflikt hinter sich gebracht, der von massiver Gewalt begleitetet war. Zwar hat sich die Situation mittlerweile grösstenteils beruhigt, im Gebiet von Irumu mit dem Hauptort Gety kommt es jedoch nach wie zu sporadischen Kämpfen zwischen Milizen und der kongolesischen Armee (FARDC). Der Zusammenschluss der Vertriebenen etwas ausserhalb Getys führte zu einer Erweiterung des Orts, und so zählen nun ungefähr 400‘000 Einwohner zur Gesundheitszone Gety, die von MSF betreut wird.

Die Hilfeleistungen von MSF an die Vertriebenen konzentrieren sich vorwiegend auf zwei Bereiche: Einerseits werden die bestehenden Gesundheitsstrukturen unterstützt, so das Referenzspital von Gety und vier Gesundheitszentren, die mit dem Spital zusammenarbeiten. Der zweite Schwerpunkt liegt bei der medizinischen Versorgung von Menschen, die im Zuge von kämpferischen Handlungen vertrieben wurden.

Meine Rolle innerhalb dieses Projekts besteht hauptsächlich darin, als Administratorin im Bereich Finanzen und Human Resources die 45 lokalen Mitarbeiter zu unterstützen und in geringerem Ausmass auch die 150 Angestellten des kongolesischen Gesundheitsministeriums, die in den von MSF unterstützten Gesundheitseinrichtungen tätig sind. Dabei muss ich mich streng an die Budgetvorgaben halten, was gründliche Kenntnisse des Projekts und der involvierten Stellen und Personen voraussetzt. Auch wenn ich die meiste Zeit in unserem Basislager verbringe, so sind auch gelegentliche „Feldbesuche“ Teil meiner Arbeit.

Kein Tag ohne Sicherheitsbesprechung

Aufgrund der aktuellen Situation beginnt jeder Tag in der MSF-Basis in Gety mit einer Besprechung zum Thema Sicherheit, die für sämtliche Mitarbeiter obligatorisch ist. Dabei informiert der MSF-Einsatzleiter die Teams über die letzten Entwicklungen im Bereich Sicherheit in Gety und Umgebung  Da die meisten Angestellten in der Region wohnen, ist dies die ideale Gelegenheit, um Informationen über eventuelle Zwischenfälle vom Vortag zu erhalten – was leider nur allzuoft der Fall ist. Diese variieren von harmlosen Zusammenstössen bis zu Gewaltausbrüchen seitens der Milizen oder der Regierungsarmee.

Nach dieser Versammlung folgt der Sicherheitscheck, der jedes Mal stattfindet, wenn Aktivitäten ausserhalb der MSF-Basis geplant sind. Dieser Check beinhaltet einen Besuch des Einsatzleiters und seinem Assistenten bei der FARDC, deren Standort hundert Meter flussaufwärts von der MSF-Basis liegt, sowie beim lokalen Anführer. Dabei geht es darum, unsere Informationen auf ihre Richtigkeit zu überprüfen und die Sicherheit unserer Tätigkeiten ausserhalb des Dorfes zu gewährleisten. Diese Checks bedeuten in keinster Weise eine Zusammenarbeit mit der Armee oder den lokalen Anführern. MSF holt lediglich Informationen ein, ohne selbst welche zu liefern; genausowenig werden irgendwelche Informationsquellen preisgegeben. Die Besuche garantieren eine maximale Sicherheit bei der Ausübung unserer Arbeit, insbesondere im Hinblick darauf, dass gewisse Gesundheitszentren eineinhalb Stunden von der MSF-Basis entfernt liegen.

Sobald sie grünes Licht haben, können die medizinischen Teams und die Logistiker ihre Arbeit ausserhalb der Basis in Angriff nehmen. Ein Grossteil von ihnen arbeitet im Spital von Gety, wo MSF hauptsächlich das therapeutische Ernährungszentrum und die Frauenklinik unterstützt sowie Opfer von sexueller Gewalt betreut.

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