10.09.2005 - Äthiopien

Tagebuch: Notfalleinsatz in Äthiopien - 4. Tag

Samstag, 10. September
Malaria intervention Ethiopia 2005
MSF launched an emergency malaria intervention in late August 2005 to tackle a localised epidemic. Goffa, SNNPR region, southern Ethiopia, Ethiopia. 09/09/2005
© Petterik Wiggers
Malaria intervention Ethiopia 2005
MSF launched an emergency malaria intervention in late August 2005 to tackle a localised epidemic. Goffa, SNNPR region, southern Ethiopia, Ethiopia. 09/09/2005
© Petterik Wiggers
Malaria intervention Ethiopia 2005
MSF launched an emergency malaria intervention in late August 2005 to tackle a localised epidemic. Goffa, SNNPR region, southern Ethiopia, Ethiopia. 09/09/2005
© Petterik Wiggers
Malaria intervention Ethiopia 2005
MSF launched an emergency malaria intervention in late August 2005 to tackle a localised epidemic. Goffa, SNNPR region, southern Ethiopia, Ethiopia. 09/09/2005
© Petterik Wiggers
Malaria intervention Ethiopia 2005
MSF launched an emergency malaria intervention in late August 2005 to tackle a localised epidemic. Goffa, SNNPR region, southern Ethiopia, Ethiopia. 09/09/2005
© Petterik Wiggers
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Heute begibt sich das zweite Team von MSF in das Dorf Geesa. Bei Regen können wir am Abend nicht nach Hause zurückkehren. Es gibt nur wenige Fahrzeuge in dieser Gegend und wenn wir die auf dem Feld arbeitenden Dorfbewohner nach dem Weg fragen, sind sie erstaunt. Offensichtlich fährt hier niemand Auto.

Nach unserer Ankunft gibt das Team im ganzen Dorf bekannt, dass wir heute unsere ambulante Klinik eröffnen. Rasch sind wir von neugierigen Dorfbewohnern umgeben. Schreiende Babys, muhende Kühe, erschreckte Kinder, die bei unserem Anblick schreiend davonrennen, und andere, die ihrer Freude lautstark Ausdruck verleihen, sorgen für ein ohrenbetäubendes Konzert. Dieses erinnert an die Ankunft eines Dorfzirkus...
    
Im Dorf scheint es zahlreiche Malariafälle zu geben. Kürzlich ist der 15-jährige Sohn des Dorfchefs wahrscheinlich infolge von Malaria gestorben. Ein Mann mit einem farbigen Regenschirm in der einen und einem langen Holzstecken in der anderen Hand bringt uns seine sechsjährige Tochter Sinkenesh. Diese leidet seit zwei Wochen an Fieber, Erbrechen und Frösteln. Das apathisch und ernst wirkende Mädchen zuckt kaum zusammen, als es für den Bluttest in den Finger gestochen wird. Das Resultat ist positiv. Wie viele andere begibt sich das Mädchen mit seinem Gesundheitsbüchlein und einer Schachtel Tabletten in einem Plastiksack auf den Heimweg.

Auch zahlreiche Neugeborene sind auf eine Behandlung angewiesen. In solchen Fällen stellt sich das Problem, dass die Medikamente nur in Tablettenform erhältlich sind. Der Apotheker zerdrückt die kleinen Pillen sorgfältig mit einem Löffel und vermischt sie in einem orangen Plastikschälchen mit etwas Wasser. Die Eltern müssen ihren Kindern diesen bitteren Trank einflössen. Das ist keine einfache Sache, denn die Babys wollen das Gebräu nicht trinken. Sie spucken und weinen und einige erbrechen sogar. Dr. Helmy überwacht das Ganze und vergewissert sich, dass das Medikament vollständig geschluckt wird. Kein ideales Vorgehen, aber leider stellt es die einzig mögliche Art von Behandlung dar.

Gegen Abend hat die Zahl der Patienten endlich abgenommen und das Team packt seine Sachen zusammen. Auf der Heimfahrt geniessen wir die Sicht auf die tiefgrüne Saat der Felder, die sich im Wind leicht hin und her bewegt. Heute wird das äthiopische Neujahr gefeiert und in der Basis erwartet uns ein Fest. In einem riesigen Topf köcheln grosse Lammstücke. Das äthiopische Jahr zählt dreizehn Monate - zwölf mit dreissig und einen mit fünf Tagen. Die äthiopische Zeitrechnung ist gegenüber der unseren sieben Jahre im Rückstand. Wir feiern also den Übergang ins Jahr 1998 und freuen uns über den unerwarteten Jungbrunnen.

In den nächsten Wochen führen die Teams von Gamo Gofa ihre Arbeit weiter. Sie suchen neue Regionen auf und versorgen in möglichst kurzer Zeit ein Maximum an Patienten. Da die Malariaepidemie ihren Höhepunkt in der Zeit zwischen Mitte September und Dezember erreicht, müssen wir mit dem Schlimmsten rechnen. Die bisher lokal begrenzte Epidemie vermittelt einen Vorgeschmack von dem, was uns in den nächsten zwei Monaten erwarten könnte. Nach Ansicht des äthiopischen Gesundheitsministers besteht die Herausforderung darin, das Monitoring- und Vorwarnsystem rascher und zuverlässiger zu gestalten sowie für das ganze Gebiet rechtzeitig wirksame Medikamente und Diagnose-Instrumente zu erhalten.

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