09.08.2017 - Nigeria

Nigeria «Menschen sterben an Hepatitis E, weil sie weder Seife noch sauberes Wasser haben»

Hunderte Bewohnerinnen und Bewohner des Lagers von Ngala im Nordosten Nigerias haben sich mit Hepatitis E infiziert, nachdem die Krankheit aus dem benachbarten Niger eingeschleppt wurde.
Nigeria, 04.07.2017
In den vergangenen zwei Monaten gab es über 400 Fälle von Hepatitis E. Die Hepatitis-E-Epidemie wurde nun auch offiziell ausgerufen.
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Humanitäre Hilfe in Ngala, Nigeria
Humanitäre Hilfe in Ngala, Nigeria
09.08.2017
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Aufgrund der schlechten Lebensbedingungen und der Überschwemmungen konnte sich die äusserst ansteckende Infektionskrankheit hier rapide verbreiten. Nicoletta Bellio, medizinische Koordinatorin von Médecins Sans Frontières/Ärzte ohne Grenzen (MSF), beschreibt die Lage im Camp. Dort leben 45’000 Menschen, die vor den gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Boko Haram und dem Militär geflohen sind.

«Die Lage hier in Ngala ist äusserst besorgniserregend. Mit Beginn der Regenzeit kommt es wiederholt zu Überschwemmungen im Lager. Wege, Latrinen und Unterkünfte stehen regelmässig unter Wasser. Wenn es regnet, verwandelt sich das Lager in einen regelrechten Morast – ein idealer Nährboden für Bakterien und Krankheiten. Da die Bewohner nicht immer die Latrinen verwenden, die zur Verfügung gestellt wurden, vermischt sich das Abwasser mit den Fluten.

In den vergangenen zwei Monaten gab es über 400 Fälle von Hepatitis E. In unserem Spital haben wir 170 Patienten behandelt. Die Hepatitis-E-Epidemie wurde nun auch offiziell ausgerufen.

Hepatitis-E-Patienten haben gute Heilungschancen, wenn sie behandelt werden, aber die Erkrankung ist besonders für Schwangere und ihr ungeborenes Baby ein grosses Gesundheitsrisiko. Hepatitis E kann zu einer Zunahme von Früh-, Fehl- und Totgeburten führen. Das Virus kann auch zu schweren Blutungen während der Geburt und im Wochenbett führen.

In den vergangenen zwei Monaten sind vier schwangere Frauen im Camp von Ngala aufgrund von Komplikationen im Verlauf der Krankheit gestorben – und das sind vier zu viel. Es sind Todesfälle, die man ganz einfach mit Seife und sauberem Wasser vermeiden hätte können.

Unsere Teams, die sich mit Gesundheitsförderung befassen, arbeiten gemeinsam mit den Bewohnern daran, das Lager zu reinigen. Wir haben auch Seife und mit Chlor behandeltes Wasser verteilt. Dabei ist allerdings zu bedenken, dass Chlor gegen die Ausbreitung von Hepatitis E weniger wirksam ist als zum Beispiel bei Cholera. Weitere humanitäre Organisationen sind dabei, die Wasserversorgung zu verbessern.

Der Regen wird über die kommenden Monate anhalten. Es ist zu befürchten, dass sich die Fälle von Hepatitis E noch weiter häufen könnten und im schlimmsten Fall zusätzlich eine Cholera-Epidemie ausbricht. Sollte es dazu kommen, wird unser Einsatz dadurch erschwert, dass Ngala sehr abgelegen und die Sicherheitslage weiterhin prekär ist. Offen gesagt wäre das eine Katastrophe.»

MSF ist seit Oktober 2016 im Vertriebenenlager von Ngala vertreten, wo die Organisation ein Spital betreibt. Zum medizinischen Angebot gehören ambulante Visiten, die Hospitalisierung von Patienten, Behandlungen gegen Mangelernährung und Geburtshilfe.

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