07.04.2017 - Irak

Irak: Geburtsklinik zum Spital umfunktioniert

In der Region um die Städte Mosul und Tal Afar im Norden des Iraks hat die Bevölkerung kaum noch Zugang zu medizinischer Versorgung. Viele der medizinischen Einrichtungen wurden komplett zerstört. Die dortige Geburtsklinik von MSF wurde daher zu einem umfassenden Spital für die Notversorgung von Erwachsenen und Kindern in lebensbedrohlichem Zustand erweitert.
Irak, 02.03.2017
In den ersten Monaten nach der Eröffnung haben unsere Mitarbeitenden bereits mehr als 500 Geburten begleitet.
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West-Mossul, Irak
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Besonders im Fall von Geburten stellte das Fehlen von medizinischen Einrichtungen ein grosses Problem dar. Im Oktober vergangenen Jahres eröffnete Médecins Sans Frontières/Ärzte ohne Grenzen (MSF) deshalb eine Geburtsklinik im Dorf Tal Maraq. In den ersten Monaten nach der Eröffnung haben unsere Mitarbeitenden bereits mehr als 500 Geburten begleitet. «Ursprünglich hatten wir nur eine Geburtsklinik geplant», sagt Ileana Boneschi, unsere Leiterin für sexuelle und reproduktive Gesundheit in Tal Maraq.

«In Tal Maraq haben wir jetzt ein richtiges Spital»

Da wir jedoch davon ausgehen, dass immer mehr Menschen aus Mosul und Tal Afar fliehen müssen, wurde die Geburtsklinik nun um zusätzliche Bereiche erweitert, um auf diesen Zustrom vorbereitet zu sein. So gibt es seit März 2017 eine Kinderstation. Ausserdem haben wir einen Bereich zur Stabilisierung von Patienten eingerichtet, die sich in lebensbedrohlichem Zustand befinden. «Mit dem Stabilisierungsbereich und der Kinderstation haben wir dort jetzt ein richtiges Spital», erzählt Ileana Boneschi.

MSF arbeitet seit 2015 in der Region, weil viele medizinische Einrichtungen komplett zerstört wurden. Den verbleibenden Einrichtungen fehlte es an grundlegenden medizinischer Ausrüstung und Medikamenten sowie dem notwendigen medizinischen Personal. «Man sieht deutlich, dass in der Region gekämpft wurde», erzählt Andrew Cullen, MSF-Projektkoordinator vor Ort. «Während manche Orte keine sichtbaren Schäden aufweisen, sind andere völlig zerstört. Obwohl es dort seit über 18 Monaten keine Kämpfe mehr gegeben hat, ist es für die Bevölkerung immer noch schwierig, medizinische Versorgung in Anspruch zu nehmen.»

Der Weg ins Spital ist für viele zu weit

Mehr als 100 Kilometer müssen die Menschen in der Region zurücklegen, um die Städte Dohuk und Zakho zu erreichen, wo sie medizinisch behandelt werden können. Für die meisten ist die lange Anreise allerdings zu teuer und so schlichtweg unmöglich. Für Menschen mit schweren gesundheitlichen Problemen hat das schwerwiegende Konsequenzen.

Deshalb begann MSF im Januar 2015, mit mobilen Teams in drei Dörfern im Distrikt Tal Afar medizinische Hilfe zu leisten. Die Teams kümmern sich dort um die allgemeine medizinische Versorgung der Bewohner sowie um die Behandlung von chronischen Krankheiten, die in Krisenzeiten oftmals vernachlässigt werden. Ausserdem bieten sie psychologische Beratung sowie sexuelle und reproduktive Gesundheitsversorgung an.

Hierbei identifizierten unsere Teams die dringendsten Nöte der Menschen. «Wir sahen, wie dringend die Frauen Geburtshilfe benötigten», sagt Andrew Cullen. «Jedes Mal wenn wir beispielsweise kritische Fälle in andere Spitäler überweisen mussten, verstanden wir, was die Menschen durchleben müssen, um das nächstgelegene Spital zu erreichen. Es war ganz offensichtlich, dass es an Notfallversorgung fehlte.» Mit der Erweiterung des Spitals in Tal Maraq hoffen wir, auf den grossen Bedarf der Menschen vorbereitet zu sein.

MSF ist seit 2006 kontinuierlich im Irak tätig. Um die Unabhängigkeit unserer Arbeit im Land sicherzustellen, nehmen wir für unsere dortigen Einsätze keine Spenden von Regierungen, religiösen Organisationen oder internationalen Agenturen an. Wir verwenden ausschliesslich Gelder aus weltweiten Privatspenden. Aktuell beschäftigen wir im Irak mehr als 1’600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

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